Über uns

Das Forum Kirche und Wirtschaft wird als Fachstelle von der Vereinigung der Katholischen Kirchgemeinden des Kantons Zug VKKZ getragen und ist in die vier Pastoralräume im Kanton Zug integriert.

Thomas Hausheer, Fachstellenleiter Forum Kirche und Wirtschaft

Thomas Hausheer (1963) ist in Zug geboren und aufgewachsen. Das Studium der Betriebswissenschaft absolvierte er an der Universität Bern und war anschliessend in der Tourismusforschung tätig. 1990 stieg er in das familieneigene Reiseunternehmen (City Reisen/Arcatour) in Zug ein, welches er über drei Jahrzehnte in verschiedenen Führungspositionen massgeblich prägte. Im Zuge der Nachfolgeregelung wurde die Firmengruppe an die Knecht-Holding veräussert. Auch nach Abschluss dieses Integrationsprozesses wird Thomas Hausheer weiterhin mit einem Beratungsmandat mit der Firma verbunden bleiben. Als Verwaltungsrat der Sportmittelschule Engelberg ist er stark in der Sportförderung engagiert. Seit 2005 Jahren ist Thomas Hausheer Kirchenrat der Reformierten Kirche des Kantons Zug und für die Beratung Triangel zuständig. Er ist verheiratet und Vater von vier erwachsenen Kindern.

Seit 2021 leitet er die Fachstelle Forum Kirche und Wirtschaft.

Begleitkommission Forum Kirche und Wirtschaft

Die Begleitkommission versteht sich als beratendes Gremium für das Forum Kirche und Wirtschaft. Ihre Mitglieder vertreten die katholische und reformierte Kirche des Kantons Zug, die freie Kirche sowie die Wirtschaft.

Kommissionsmitglieder:

Hugo Berchtold, Unternehmer
Stefan Doppmann, Präsident VKKZ
Bernhard Gehrig, Pfarreiseelsorger, Pfarrei Gut Hirt
Thomas Hausheer, Fachstellenleiter Forum Kirche und Wirtschaft
Franz Lustenberger, Journalist
Valentin Moser, Vertreter der Reformierten Kirche des Kantons Zug
Marlen Schärer, Fachstelle BKM und Vorsitzende der Begleitkommission
Paul Thalmann, Rechtsanwalt und Notar
Anja Petersen, Sekretariat Fachstellen, Protokoll

Geschichtlicher Hintergrund von Kirche und Wirtschaft im Kanton Zug


  • Eine kurze Geschichte von Kirche und Wirtschaft im Kanton Zug - von Christoph Balmer, erster Fachstellenleiter Forum Kirche und Wirtschaft (2009 - 2021)

    Die Fachstelle Forum Kirche und Wirtschaft der Katholischen Kirche des Kantons Zug hat ihren Ursprung in der Arbeiterseelsorge, welche sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu entwickeln begann. 1891 gab Leo XIII. die erste eigentliche Sozialenzyklika «Rerum novarum» zu sozialpolitischen Fragen der damaligen Zeit heraus. Er vertrat dezidiert die Meinung, dass die Arbeiterfrage die gemeinsame Aufgabe von Kirche, Staat und Arbeiterschaft sei, unwürdig sei es, Menschen bloss zum eigenen Gewinn auszubeuten. Vom Staat verlangte er öffentliche Massnahmen zum Schutze der Arbeiter und genügend Lohn zum Unterhalt von Familien. Er fordert partnerschaftliche Lösungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitern und die Einrichtung von Sozialversicherungen. Schliesslich rief er zur Gründung katholischer Arbeitervereine auf. 1899 wurde in St. Gallen der erste Katholische Arbeiterverein gegründet. Die lokale Organisation wuchs sehr bald zur Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmer-Bewegung der Schweiz, welche heute noch besteht. Die KAB Schweiz zählte 2020 rund 3‘200 Mitglieder in 65 Sektionen. Das frühere KAB-Sozialinstitut wurde 2017 verselbständigt. Die Nachfolgeorganisa-tion ist „ethik 22“, Institut für Sozialethik, Zürich. Leiter ist Sozialethiker Dr. theol. Thomas Wallimann-Sasaki.

  • Der erste Arbeiterseelsorger im Kanton Zug war Kaplan August Heggli. Am 31. Juli 1900 in Luzern geboren und 1924 zum Priester geweiht, war er sieben Jahre Vikar in seiner Vaterstadt und ein Jahr Pfarrer in Vitznau. 1932 kam er als Kaplan auf die Städtlipfründe Cham (St. Andreas). 1944 wurde er zum ersten Arbeiterseelsorger im Kanton Zug gewählt, zudem übernahm er die seelsorgerische Betreuung der italienischen Gastarbeiter. Neben dieser Tätigkeit unterrichtete er ab 1945 Griechisch und Religion an der Kantonsschule Zug, schon 1940 war er in den Zuger Erziehungsrat berufen worden, ein Amt, das er bis zu seinem Tod ausübte. Als Arbeiterseelsorger trat er - nach über 25 Jahren - im Frühjahr 1971 zurück. Er starb am 9. November 1972 in Baar.

    Kaplan August Heggli (1900 - 1972)
  • Nach dem Rücktritt von August Heggli beschloss die Konferenz der Präsidenten und Finanzchefs der Katholischen Kirchgemeinden des Kantons Zug am 13. April 1972, ein „Amt für Kirche und Industrie“ zu schaffen. Angeregt durch bereits bestehende, vornehmlich reformierte, Institutionen in Zürich und Basel wollte man bei wesentlichen Entscheidungen der Wirtschaft und Industrie eine ethische Sicht einbringen können, aber auch „Hilfe für die freie, vollmenschliche und christliche Entfaltung der Menschen in der heutigen Industriegesellschaft mit ihren spezifischen Auswirkungen“ anbieten. Motivierend dazu war die Synode 72 zur Umsetzung der Beschlüsse des 2. Vatikanischen Konzils, u.a. die Dokumente „Soziale Aufgaben der Kirche in der Schweiz“ und „Verantwortung der Christen in Arbeit und Wirtschaft“. Grundlage für das künftige Amt war eine durch die Pastoralstelle des Bistums Basel bereinigte Stellenbeschreibung (Bischofsvikar Fritz Dommann, Bischof Anton Hänggi), die Zustimmung des Priesterkapitels des Kantons Zug sowie eine durch alle Kirchgemeinden getragene Besoldung. Anstellungsbehörde war die Kirchgemeinde Zug (es gab noch keine kantonale Körperschaft für die Katholische Kirche).

    Die Leitung dieses neuen Amts übernahm zum 1. Juni 1975 Pater Karl Flury. Am 18. Oktober 1941 in Schwyz geboren, trat er nach seiner Matura im Kollegium St. Fidelis in Stans in den Kapuzinerorden ein und erhielt 1967 die Priesterweihe. Weiterführende Studien in Philosophie, Theologie und Soziologie, ein Pastoraljahr sowie ein Praktikum als Arbeiterseelsorger waren gute Voraussetzungen für eine fruchtbare Arbeit, welche fast 20 Jahre dauern sollte. P. Karl Flury stellte die Weichen für eine Umorientierung zu einem Dialog zwischen Kirche und Arbeitswelt, indem
    er sich nicht nur um die Belange der Arbeitnehmer kümmerte, sondern auch die Arbeitgeberseite einbezog. Unter dem Begriff «Industrie- und Arbeiterseelsorge» gehörten zu seinen Kernaufgaben:

    • Arbeiterseelsorge, Betriebsseelsorge in Zuger Industriebetrieben, einschliesslich zweier Praktika bei Landis & Gyr und der Spinnerei an der Lorze
    • Integration von ausländischen Arbeitskräften in Beruf und Bildung
    • Lebenskundeunterricht an der Gewerbeschule
    • Mitarbeit und Präses in kirchlich-sozialen Verbänden (KAB und Kolping)
    • Durchführung von Sozialen Seminaren zur Vermittlung der christlichen Soziallehre
    • Ökumenische Zusammenarbeit, insbesondere mit Pfarrer Hans Otto Mundhenke-Buff der Reformierten Kirche Cham
    • Kontakte und Zusammenarbeit mit Betriebskommissionen, Gewerkschaften und dem Zuger Industrie-Verband
    • Ausbildung zum Industriepfarrer und überkonfessioneller Austausch mit Schweizer Industriepfarrern
    • kirchliche Dienste, Predigten und Vorträge in Pfarreien.

    1983 wurde er als erster Ordenspriester zum Dekan des Kantons Zug ernannt, 1985 zum Regionaldekan. Um im Kapuzinerorden neue Aufgaben zu übernehmen, beendete er die Leitung des Amts für Kirche und Industrie im Dezember 1993. Nach Zug war er erst 16 Jahre im Kloster Luzern, dann neun Jahre in Rapperswil und seit 2019 wohnt er im Kloster Wil SG.

  • Am 1. Januar 1985 wurde die VKKZ, der «Vereinigung der Katholischen Kirchgemeinden des Kantons Zug» gegründet, die Dachorganisation der 10 Kirchgemeinden im Kanton Zug. Entsprechend dem dualen System von Kirche und Staat wurde die Führung für das «Amt für Kirche und Industrie» dem Dekanat Zug übertragen. Im Zuge der Neubesetzung wurde es 1994 in eine «Dekanatsstelle Kirche und Arbeitswelt» umbenannt. Die inhaltlich-pastorale Führung oblag dem Dekanat, die Anstellung der VKKZ.

    Am 1. August 1994 übernahm mit Trudy Fux-Meier (1944 - 2012) erstmals eine Frau die Stellenleitung. Am 12. März 1944 in Wollerau geboren, war sie nach Abschluss des Rechts-Studiums in Fribourg als Sekundarlehrerin in Altdorf tätig, bevor sie, 1973 verheiratet nach Baar gezogen, als dreifache Mutter hauptsächlich Familienfrau war. Inzwischen verwitwet begann sie 1985 Religionsunterricht zu erteilen und absolvierte anschliessend die Ausbildung zur nebenamtlichen Katechetin. 1989 wurde sie Mitarbeiterin der katechetischen Arbeitsstelle KAZ, bevor sie zur Stellenleiterin gewählt
    wurde. Als SP-Politikerin war sie von 1991 bis 2002 im Zuger Kantonrat.

    Als Nicht-Theologin lag es auf der Hand, dass Trudy Fux keine Arbeiterseelsorge leisten konnte. Als Politikerin hingegen war sie sehr vernetzt und so legte sie den Schwerpunkt ihrer Aufgabe darauf, auf kantonaler und auch nationaler Ebene der «Kirche eine Stimme» zu geben. Dies geschah hauptsächlich durch Einsitz in einer Vielzahl von Gremien:

    • im Dekanat Zug (Vorstand Dekanat, Ökumenische Konsultation)
    • in kirchlichen Verbänden (Vorstand/Präsidentin SAKA Schweiz. Arbeitsgemeinschaft Kirche und Arbeitswelt, Präses und Vorstand KAB Zug, KAB-Frauenrat,  Soziales Seminar Zug)
    • im Bereich Arbeitswelt (Vorstand CGVZ Christl. Gewerkschaftsvereinigung Zug, Vorstand VAM Verein für Arbeitsmarktmassnahmen, Verein für die Betreuung ausländischer Arbeitnehmer im Kanton Zug)
    • im Bereich Soziales (Kantonale Sozialkommission, Vorstand der Asyl-Brücke, Arbeitsgruppe Soziale Problemlagen)
    • in der Freiwilligenarbeit (u.a. Benevol).

    Kirchlich engagierte sie sich für:

    • die Durchführung von Betriebspraktika von Theologiestudierende
    • Sternenwanderungen
    • spezielle Gottesdienste, u.a. als Gastpredigerin
    • persönliche Gespräche und Beratungen rund um die Arbeit.

    In all diesen Tätigkeiten sah sie sich als Vermittlerin zwischen den verschiedenen Interessensvertretungen, wobei ihr - als Sozialdemokratin - primär die Arbeitnehmenden am Herzen lag. Um sie in ihrer Arbeit zu unterstützen, wurde im November 1998 eine 6-köpfige Begleitgruppe mit Vertretern des Dekanats, der Arbeitnehmer- und der Arbeitgeberseite gebildet. Im September 2001 verabschiedete sie ein Kommission-Statut und ein aktualisiertes Stellenprofil für die Dekanatsstelle. Es war absehbar, dass Trudy Fux-Meier ihr politisches Engagement verstärken würde, was sich durch ihre Wahl in den Gemeinderat Baar ab 2003 denn auch bestätigte. In der Folge zog sie sich zum 30. Juni 2003 von Dekanatsstelle zurück. Sie amtete von 2003 bis 2010 als Baarer Sozialvorsteherin und starb am 4. Oktober 2012.

  • Das Dekanat stellte im Januar 2004 eine Konzeptgruppe zusammen, um der Fachstelle eine neue Ausrichtung zu geben. Das Ziel war eine «Kirchliche Fachstelle für die Arbeitswelt im Kanton Zug» in ökumenischer Doppelbesetzung nach dem Vorbild des bereits 1971 gegründeten «Pfarramts für Industrie und Wirtschaft BS/BL». Dementsprechend wurde die Projektgruppe unter der Leitung von Klaus Hengstler (Pfarreileiter Baar) mit Vertretern der Katholischen Kirche, der Reformierten Kirche sowie der Industrie zusammengesetzt. Doch das Projekt hatte es schwer, die Vorbehalte waren gross.

    Am 22. Februar 2006, nach zweijähriger Arbeit, wurde das Konzept an einer gemeinsamen Sitzung aller Entscheidungsträger verworfen. Es war zu wenig griffig und konnte die unterschiedlichen Haltungen (Katholiken eher in Richtung Arbeiterseelsorge, Reformierte eher in Richtung Wirtschaftsethik, Bistum Basel Ökumene eher in anderen Betätigungsfeldern) nicht vereinen. Das war verständlich. Der Kanton Zug war zu einem internationalen Wirtschaftsstandort geworden, hatte ein grosses Bevölkerungs- und Unternehmenswachstum, welche die Beschäftigtenstruktur stark veränderte. Lag der Anteil des Industriesektors 1970 noch bei 51.9%, sank dieser bis 2005 auf 22.1% (2018: 19.7%). Der Dienstleistungssektor hingegen wuchs von 41.6% auf 75.4% (2018: 78.7%). Das Bedürfnis nach Arbeiterseelsorge in der Schweiz war – abgesehen von einigen Ausnahmen in der Romandie – kaum mehr vorhanden. Es entstanden Pfarrämter und Spezialseelsorge-Stellen in Flughäfen, Bahnhöfen, Shopping-Centers oder auch der Polizei.

  • Im März 2007 erfolgte ein neuer Anlauf zur Neukonzipierung der Fachstelle. Der Dekanatsvorstand beschloss die Bildung einer breit gefächerten Konzeptgruppe mit der Einbindung der VKKZ, des Bistums Basel, der Berufsschule und Erwachsenenbildung, der Politik und Verwaltung, der Gewerkschaften, des Gewerbes und der Industrie. Nicht dabei war die Reformierte Kirche Zug.

    Die Leitung übernahm Co-Dekan Andreas Wissmiller. Diesmal kam die Arbeit gut voran. Die Zielrichtung war klar. Gesucht waren eine Vernetzung und ein Dialog zwischen Kirche und Wirtschaft, ein Forum für einen wertschätzend-kritischen, gegenseitigen Austausch. Dies auch im Kontext mit der damals beginnenden, globalen Banken- und Finanzkrise (2007/08) und der damit verbundenen Verunsicherungen in Bezug auf Werte und Normen innerhalb der Wirtschaftswelt. Nach einer positiven Bedürfnisabklärung in Wirtschaft, Politik und Verwaltung, einer einhelligen Befürwortung durch die Konferenz der Pfarrer und Gemeindeleiter sowie einer Vernehmlassung in allen Kirchgemeinden, beschlossen am 5. November 2008 die Delegierten der VKKZ mit einer Zustimmung von 92% (22:2), das «Forum Kirche und Wirtschaft» im 2009 zu starten.

    Das erste Ziel war eine Neupositionierung der Katholischen Kirche Zug im Bereich Kirche und Wirtschaft. Bereits seit Jahrzehnten hatte sich das Lassalle-Haus/Institut Bad Schönbrunn als jesuitisches Bildungshaus etabliert. Einer der Schwerpunkte war Zen, Ethik und Leadership aus ganzheitlichem Bewusstsein. Seit 2006 bestand die ökumenische CityKircheZug. Neben spirituellen und religiösen Angeboten organisierte sie auch ethische und gesellschaftspolitische Veranstaltungen. Schon vorher und über längere Zeit hatte Jürg Rother, seit 1988 Pfarrer der Reformierten Kirche des Bezirks Ägeri, einen Gesprächskreis «Wirtschaft und Ethik» ins Leben gerufen und entfaltete in seinem Bezirk auch zu Ethik und Familie verschiedene Tätigkeiten.

    Die Paulus-Akademie des Katholischen Kirche Zürich hatte seit Jahrzehnten einen Fachbereich Wirtschaft und Arbeit. Ähnlich das evangelischen Tagungs- und Studienzentrum Boldern (bis 2012) mit einem sozialethischen Schwerpunkt auf nachhaltigkeitswirksames Handeln. Der Fachbereich Kirche und Wirtschaft der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich, das ökumenische Pfarramt Wirtschaft und Industrie BS/BL, das KAB-Sozial-Institut in Zürich sowie die Ökumenische Kommission Kirche-Wirtschaft der Landeskirchen Aargau rundeten die Angebote ab.

  • Zum Aufbau des Forums Kirche und Wirtschaft wurde zum 2. August 2009 der Zuger Unternehmer Christoph Balmer gewählt. Am 25. August 1953 in Zug geboren, machte er nach der Handelsmatur eine Buchhändlerlehre und übernahm 1978, nach dem frühen Tod seines Vaters, die strategische und operative Führung der familieneigenen Buchhandlung und Verlagsauslieferung. Nach 30 Jahren Unternehmertum und dem Verkauf des Grosshandelsgeschäfts zog er sich aus dem operativen Geschäft zurück und konnte sich dadurch beruflich neu orientieren. Als Miteigentümer und Verwaltungsratspräsident von Bücher Balmer blieb er aber weiterhin mit seiner Firma verbunden.

    Als beratendes Gremium wurde eine 8-köpfige Begleitkommission installiert. Neben Vertretungen der VKKZ, des Dekanats, des Bistums Basel und der Zuger Wirtschaft übernahm auch die Reformierten Kirche Zug einen Sitz. Das war, zusammen mit einem wiederkehrenden Finanzbeitrag, ein klares Zeichen zur Kooperation und einer ökumenischen Ausrichtung.

    Gemäss neuem Konzept war es die Aufgabe, mit dem Forum Kirche und Wirtschaft Menschen aus verschiedenen Wirkungskreisen zusammenzubringen, um ethische Ansätze und christliche Werte sowie wirtschaftliche Gesetzmässigkeiten ins Gespräch zu bringen. Es sollte die Begegnung fördern zwischen Menschen aus Wirtschaft, Verwaltung, Kirche und Politik mit einem Fokus auf ethische, wirtschafts- und gesellschaftspolitische Fragen. Im Mittelpunkt sollte der Dialog, die Förderung des gegenseitigen Verständnisses und die Schaffung von Mehrwert für alle Beteiligten stehen.

    Für das kirchliche Umfeld war Christoph Balmer ein Quereinsteiger. Die Auseinandersetzung mit der Christlichen Soziallehre, der Wirtschaftsethik und der Fragestellung, wie man beides zusammenbringt war Neuland. Ebenso die Fragestellung, wie man den in der Kirche Tätigen wirtschaftliche Zusammenhänge näherbringt und – als grösste und stets aktuelle Herausforderung - wie man Berührungsängste zwischen Menschen aus der Wirtschaft und Menschen aus der Kirche gegenseitig abbaut. Für die Beantwortung dieser Fragen konnte er auf seine langjährige Unternehmererfahrung und sein Netzwerk zurückgreifen und auf dieser Grundlage verschiedene Formate zum Tragen bringen:

    • Veranstaltungsreihe "Wirtschaft und Werte – Orientierung und Perspektiven" Zweimal jährlich Foren zu aktuellen, sozialethischen und gesellschaftspolitischen Fragen im Kloster und Gemeindesaal Kappel am Albis, verbunden mit einer besinnlichen Einstimmung in der Klosterkirche
    • regelmässige Betriebsbesuche "Wirtschaft live" für kirchliche Mitarbeitende und Behördenmitglieder in deren Pfarreigebieten
    • Coaching und Moderation von individuell zusammengestellten Gesprächsrunden zum vertraulichen Austausch über Arbeit, Verantwortung, Glaube und Ethik unter Führungskräften, verbunden mit einer spirituellen Begleitung eines Theologen
    • Beratung für Menschen in verantwortungsvollen Positionen in schwierigen beruflichen Situationen
    • Projektarbeit in der Berufsbildung für kirchliche Mitarbeitende sowie Seminarangebote für werteorientierte Führung in KMUs
    • Auszeit «24 Stunden Out of Office» zusammen mit einem Augustinerpater zur Entlastung von Berufstätigen vom täglichen Stress
    • Vorstandssitz im Verein für Arbeitsmarktmassnahmen VAM und dem Gönnerverein der Paulus-Akademie Zürich
    • Vernetzung in der lokalen, regionalen und nationalen Wirtschaft und Kirche, in den Kreisen der Wirtschafts- und Sozialethik im In- und Ausland, als Teilnehmer, Moderator und Referent an Tagungen von Wirtschaft, Kirche und Ethik
    • Regelmässige Medienarbeit.


    Fazit der Haupttätigkeiten:

    Mit dem Vortragsforum «Wirtschaft und Werte» in Kappel am Albis ist es gelungen, die Auseinandersetzung mit wirtschaftsethischen und gesellschaftspolitischen Themen in der Region Zug zu verankern. An bisher 21 Veranstaltungen (2010 bis 2019) sowie einem 10-Jahre-Jubiläumsanlass in Zug (2020), waren 73 Referierende und Podiums-teilnehmende sowie 3’258 (durchschnittlich 148) Besucherinnen und Besucher dabei; 76% aus der Wirtschaft, Verwaltung, Politik und Bildung, 24% aus dem kirchlichen Umfeld, 40% Stammgäste, davon 22% aus dem kirchlichen Umfeld. Im Fokus standen Themen wie Unternehmenswerte, Globalisierung, Ethik in der Medizin, im Migrationswesen, im Spitzensport, Konflikt und Kommunikation, Fairness in der Wirtschaft, Wachstum und Glück, Rohstoffstandort Zug, Führung nach benediktinischer Regel, Fake News, Digitalisierung als Religion, Menschenrecht in der Wirtschaft, Muslime in der Schweiz oder auch Reichtum und Verantwortung.
    Unter dem Titel «Wirtschaft live» entstanden zwischen 2010 und 2019 18 Begegnungen zwischen örtlichen Unternehmen, meist KMUs, und Kirchenleuten aller 14 Pfarreien und 7 reformierten Bezirken mit durchschnittlich 30 Teilnehmenden. Neben einer Betriebsführung standen firmenbezogene Themenschwerpunkte im Mittelpunkt. (2020 Corona bedingt ausgefallen).
    Eine seit 2011 bestehende Gesprächsrunde mit 10-15 Personen trifft sich 6x jährlich zum vertraulichen Austausch. Der Kern der Gruppe ist seit Beginn mit dabei.
    Mit «24 Stunden Out of Office» besteht ein Angebot, welches durch christliche Meditation in der Gruppe, Reflexion und Entspannung im Alleinsein, sowie Inspiration in Einzelgesprächen ein befreiendes Erlebnis bietet.

    Diese und die anderen Aktivitäten zeigen, dass das ursprüngliche Ziel, mit dem Forum Kirche und Wirtschaft den Dialog zu fördern, richtig war und immer noch aktuell ist. Es sollen auch neue Formate entwickelt werden, um die Einzigartigkeit dieser Fachstelle – es gibt keine vergleichbare in der Schweiz – aufrecht zu erhalten.

    Infolge Pensionierung beendet Christoph Balmer am 30. Juni 2021 seine Tätigkeit. Die Nachfolge übernimmt Thomas Hausheer, geboren 1963, Zuger Reiseunternehmer (ARCATOUR, City Reisen Zug - seit 2017 Teil der Knecht Reisegruppe), seit 2006 Kirchenrat der Reformierten Kirche Zug.


    Baar, 2. März 2021 / Christoph Balmer

    Textquellen: Archiv VKKZ/Dekanat Zug, KAB Schweiz, Pfarreiblatt Kanton Zug, Zuger Chronik Halle 44 (Zuger Kalender, Zuger Neujahrsblatt)
    Bildquellen: chamapedia.ch, Kapuzinerkloster Wil SG, Einwohnergemeinde Baar, Christoph Balmer
    Auskunftspersonen: Pater Karl Flury, Klaus Hengstler, Edgar Hotz, Susy Nussbaumer, Alfredo Sacchi, Alois Theiler

    Christoph Balmer, erster Leiter der Fachstelle Forum Kirche und Wirtschaft (2009 - 2021)