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Künstliche Intelligenz: Chancen für Kirche und Kirchgemeinden - Referat Pastoralkonferenz Kath. Kirche Zug

So unterstützt Künstliche Intelligenz die Kirche von morgen

Künstliche Intelligenz und Kirche – auf den ersten Blick zwei Welten, die wenig gemeinsam haben. Doch was, wenn KI nicht nur ein technisches Spielzeug, sondern ein wertvolles Werkzeug für die Arbeit in Kirchgemeinden sein könnte? Referent Spiro Mavrias zeigte an der 9. Pastoralkonferenz Zug Anwendungsmöglichkeiten auf, die überraschten.

Künstliche Intelligenz und Kirche scheinen zunächst wenig miteinander zu tun zu haben. Während die Kirche tief in Glauben und Spiritualität verwurzelt ist, dreht sich bei KI alles um technologische Innovationen. Doch bei der 9. Pastoralkonferenz Zug wurde genau diese Spannung aufgelöst und ein neuer Blick auf die Möglichkeiten geworfen, die KI für die Kirche bereithält. Unter dem Titel «Künstliche Intelligenz: Chancen für Kirche und Kirchgemeinden» versammelten sich am Donnerstagabend, 16. Januar 2025 rund 45 Teilnehmende im Pfarreizentrum St. Johannes in Zug. «Ziel des Abends ist es, herauszufinden, wie intelligent KI wirklich ist, und ob sie ein Tool für eine bessere Kirchenarbeit darstellt», erklärte Thomas Hausheer, Vorstandsmitglied der Pastoralkonferenz Zug und Leiter des Forums Kirche und Wirtschaft. «Man kann sich vor Künstlicher Intelligenz fürchten, aber sich auch auf sie einlassen», fügte er an.

Keine Zauberei, sondern Stochastik

Dass KI keine bedrohliche Zauberei aus dem Netz ist, zeigte Spiro Mavrias gleich zu Beginn seines Referats auf: «Texte, die mit Künstlicher Intelligenz erstellt werden, sind reine Stochastik – sie beruhen auf Wahrscheinlichkeitsrechnungen.» Tools wie ChatGPT und Claude sind spezialisierte Formen der KI, die auf Sprache beruhen, sogenannte Large Language Models (LLM). Anhand von Sprachbefehlen, den Prompts, liefern sie ein Ergebnis. Somit seien keine komplizierten Programmiersprachen mehr notwendig. «So können Sie für Ihre Kirchgemeinde beispielsweise eine Predigt im Stil des berühmten katholischen Theologen Karl Rahner schreiben lassen», meinte er schmunzelnd.

KI-Experte und Theologe zugleich

Spiro Mavrias ist nicht nur ein Experte für KI-Tools, sondern auch Theologe. Er absolvierte sein Vikariat in Berlin-Neukölln. Seit knapp zwei Jahren lebt der 31-Jährige in der Schweiz und arbeitet als Verantwortlicher für Kirchenentwicklung «Neue kirchliche Orte und Formen» bei der Reformierten Kirche Kanton Zürich. «Künstliche Intelligenz entwickelt sich exponentiell weiter, jeden Tag und in einem äusserst rasanten Tempo», betonte er. KI sei ab dann wirklich intelligent, wenn sie selbstständig Lösungen findet für komplexe Probleme, für die sie nicht explizit programmiert wurde, und wenn sie sich selbst Ziele setze. Ganz so weit ist die Entwicklung aktuell noch nicht. Doch was ist heute schon möglich?

Nützliche Tools

Spiro Mavrias stellte einige KI-gestützte Tools vor, die die Mitarbeitenden im Alltag in ihrer Kirchgemeinde einsetzen können: Simultanübersetzen mit ChatGPT via Handy während seelsorgerischen Gesprächen, KI-Podcasts mit Google NotebookLM für die Gläubigen erstellen, neue Kirchenlieder von Suno.com komponieren oder Bilder fürs Pfarreiblatt mit Fooocus oder Midjourney generieren lassen. KI-Bilder sind inzwischen so gut, dass sie kaum mehr von realen Bildern zu unterscheiden sind. Dies wirft zahlreiche ethische Fragen auf: Dürfen wir solche Bilder erstellen? Welche Folgen könnten sich daraus ergeben? «Die Kirche sollte eine Vorbildfunktion einnehmen und mit KI erstellte Bilder immer als solche kennzeichnen», empfahl Mavrias.

Seelsorgegespräche mit Chatbots üben

Eine weitere Möglichkeit der KI sind Trainingschat-Bots, mit denen angehende Seelsorgerinnen und Seelsorge schwierige Gespräche üben können. Der Chat-Bot antwortet dabei schriftlich oder mündlich in der Rolle eines Menschen in einer herausfordernden Lebensphase. Als diese Anwendung besprochen wurde, herrschte eine ambivalente Stimmung im Pfarreizentrum St. Johannes: Faszination und Begeisterung, aber auch das beklemmende Gefühl, ersetzt zu werden.

Künstliche Intelligenz erfährt keine Gefühle

«KI sollte keinen menschlichen Kontakt in der Kirche ersetzen oder überflüssig machen, sondern Zeit schaffen für Zwischenmenschliches. Leben bedeutet Sein, genauer gesagt Zusammensein», sagte Spiro Mavrias. Eine KI könne nicht sein – sie sei nicht fähig, Beziehungen einzugehen. Eine KI wisse nichts von Leid, Liebe, Freude oder Trauer. «Diese tiefmenschlichen Erfahrungen sind nicht erlernbar – sie sind ausschliesslich erfahrbar. Eine KI mag in bestimmten Bereichen hilfreich sein, aber sie bleibt ein Werkzeug – und kann niemals das ersetzen, was es bedeutet, ein beziehungsreiches, fühlendes Wesen zu sein», verkündete Spiro Mavrias am Ende seines Referats. Anschliessend diskutierten die Teilnehmenden bei einem Apéro riche weiter. «Es ist gut zu wissen, dass Emotionen und Erfahrungen von der KI nicht ersetzbar sind», meinte eine Teilnehmerin. Eine andere Teilnehmerin sagte: «Die Vielfalt und die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz sind sehr faszinierend. KI ist ein Quantensprung, der uns vor ein neues Kapitel stellt.»

Text und Fotos: Melanie Schnider

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